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18.09.2016 00:00 Alter: 4 yrs

Deutsch-französisch-schweizerischer Bürgerdialog in Freiburg

Am Oberrhein sollen neue Bürgerbegegnungsprojekte entstehen


Beim Bürgerdialog in Freiburg trafen sich Interessierte, um über die Förderung und die Realisierung von Bürgerbegegnungsprojekten zu diskutieren. Der Dialog wurde von Experten von Euro-Institut und Hochschule moderiert.

Mehrsprachigkeit, Projekte, die in eine dauerhafte Kooperation münden und niederschwellige grenzüberschreitende Begegnungen – dies sind die Zukunftsthemen, die die Teilnehmenden des deutsch-französisch-schweizerischen Bürgerdialogs in Freiburg als am Wichtigsten bezeichnet haben.

Seit mehreren Jahren werden am Oberrhein regelmäßig trinationale Bürgerdialoge veranstaltet, deren vorrangiges Ziel es ist, Begegnungen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern der drei Länder zu ermöglichen und die gemeinsame Identität zu stärken. Nachdem das letztjährige Treffen in Straßburg stattgefunden hatte, war es dieses Jahr wiederum die Aufgabe der deutschen Partner, die Veranstaltung zu organisieren. So trafen sich am Vormittag des 17. September ca. 80 Interessierte in den Räumlichkeiten des Regierungspräsidiums Freiburg und diskutierten über die Möglichkeiten und Perspektiven für neue Bürgerbegegnungsprojekte am Oberrhein. Anne Thevenet, stellv. Direktorin des Euro-Instituts und Prof. Dr. Joachim Beck von der Hochschule für öffentliche Verwaltung waren für die Moderation des Ereignisses verantwortlich. Neben zahlreichen Vertreter/innen von Vereinen waren Bürger/innen, Mandatsträger sowie Mitarbeiter/innen aus der Verwaltung, deren Aufgabe die Unterstützung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist, anwesend.

Schwerpunkt des Austauschs war die Förderung von Mikroprojekten, die sich insbesondere für Vereine besonders gut eignen. Ansprechpartner für diese Art der Förderung sind drei Eurodistrikte am Oberrhein, nämlich der Eurodistrikt Pamina, der Eurodistrikt Straßburg-Ortenau, der Trinationale Eurodistrikt Basel sowie der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und der Conseil Général Haut-Rhin für den vierten Kleinprojektefonds.

 

Worum geht es bei Mikroprojekten?

Der Fond für Kleinprojekte besteht seit 1989. Es handelt sich um Mittel, die im Rahmen des INTERREG-Programms (Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung) bereitgestellt werden. Der Kleinprojektefonds hat insbesondere das Ziel, Projekte zu fördern, über die sich die Bürger/innen gemeinsam grenzüberschreitend engagieren können; das Angebot richtet sich also unmittelbar an die Zivilgesellschaft. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Vorhaben, unter anderem aus den Bereichen Kultur, Jugend, Sport, Tourismus gefördert. Bei Tri-bune 2013, New Talent Festival, ein Jugendmusikfestival mit 1600 Besuchern, war sowohl das Organisationsteam als auch die verpflichteten Gruppen bis hin zum Publikum durchgehend deutsch-französisch-schweizerisch. Ein anderes Beispiel ist die Realisierung eines grenzüberschreitenden mittelalterlichen Reitturniers durch den französischen Verein „Ferrette la Médievale.

Da grenzüberschreitende Projekte trotz verfügbarer Fördermittel nicht „von selbst“ funktionieren, trafen sich grenzüberschreitende Akteure und solche, die es werden wollen, in Freiburg zum Kennenlernen, Erfahrungsaustauch und Sammeln von Informationen. Ein großer Pluspunkt des Bürgerdialogs war, dass Vertreter/innen unterschiedlicher Ebenen, nämlich aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft teilnahmen. Auf diese Weise war eine sehr konkrete und praxisnahe Diskussion über Erfahrungen und die Weitergabe von hilfreichen Informationen möglich

Nach den Begrüßungsworten von Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer war der Ball im Feld der Teilnehmenden. Ziel war es, mithilfe der Akteure aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für Bürgerbegegnungsprojekte herauszuarbeiten. Die Anwesenden saßen in gemischter Runde in Gruppen von etwa acht Personen zusammen und arbeiteten am gemeinsamen Ziel, nämlich der Erarbeitung wesentlicher Aspekte erfolgversprechender Projekte. So gelang es in kurzer Zeit, die wichtigsten Punkte hinsichtlich der gemachten positiven und negativen Erfahrungen festzuhalten. Auch die notwendigen Voraussetzungen, große Zukunftsthemen sowie die Ziele bezüglich der Strategie 2020 der Trinationalen Metropolregion Oberrhein wurden erörtert. Obwohl die Teilnehmenden ziel- und ergebnisorientiert arbeiteten, gelang es den Moderatoren Anne Thevenet und Joachim Beck, immer wieder Räume für die Diskussion zu schaffen. Mit gutem Grund, denn eine lebendige und effiziente Kommunikation wurde von den Anwesenden als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für gelingende Projekte bezeichnet. Hierzu zählen die Akteure sowohl die Kommunikation innerhalb des Projekts als auch nach außen. Besonders wichtig sind auch kompetente Ansprechpartner, die Bürgerbegegnungsprojekte unterstützen und begleiten können. Oftmals fehlt auf der Projektebene das Wissen um die verschiedenen Möglichkeiten der Hilfe.

Um die Förderung über Mikroprojekte optimal zu vernetzen und somit die Chancen der Antragsteller zu erhöhen, ist vorgesehen, dass einer der vier Eurodistrikte am Oberrhein die Koordinierungsrolle übernimmt. Der Straßburger Oberbürgermeister Ries, derzeitiger Präsident des Eurodistrikts Straßburg-Ortenau, erklärte, er könne sich gut vorstellen, dass der Eurodistrikt Straßburg-Ortenau diese Aufgabe künftig übernimmt und kündigte an, dies in den entsprechenden Gremien vorzuschlagen.

In der Schlusserklärung des Trinationalen Bürgerdialogs begrüßen die Teilnehmenden, dass ab dem Jahr 2017 erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden sollen, um die Zivilgesellschaft dauerhaft in die Entwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein einzubeziehen. Das Programm eröffne den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, selbst die Grenzen zu überschreiten, die Entwicklung ihres Lebensraums aktiv mitzugestalten und damit Europa im Kleinen zu leben.