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24.06.2016 00:00 Alter: 4 yrs

Rückblick auf das Seminar "Jugend und Radikalisierung(en): Wie kann Prävention gelingen?"


150 Personen aus Deutschland und Frankreich (Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Jugendarbeiter, Vertreter des Landes Baden-Württemberg, der Gebietskörperschaften und der Vereine) trafen sich am 23. Juni in Kehl zum Thema „Wie kann Prävention von Radikalisierungen Jugendlicher gelingen?“  

Diese, vom Conseil départemental du Bas-Rhin und dem Ortenaukreis unterstützte Veranstaltung, wurde von Anne Thevenet, stellvertretende Direktorin des Euro-Instituts, Institut für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, und Bruno Michon, Forschungs- und Entwicklungsbeauftragter bei der ESTES (Ecole supérieure en travail éducatif et social de Strasbourg) konzipiert und moderiert.

Anders als die häufige Verwendung des Worts „Radikalisierung“ vermuten lässt, ist dieser Begriff nicht selbsterklärend. Die Beleuchtung des Phänomens aus einer deutsch-französischen Perspektive hilft, es aus einer gewissen Distanz zu betrachten.

In Frankreich steht nach den unlängst stattgefundenen Attentaten die dschihadistische Radikalisierung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auch wenn in Deutschland diese Besorgnis ebenfalls existiert, konzentriert sich dort das Interesse auf die Radikalisierung von Rechtsextremen. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen ermöglichen eine Relativierung dessen, was im eigenen Land geschieht.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Prävention: Wie kann diese Prävention angegangen werden? Auf welchem Niveau? Mit wem? Mit welchen Instrumenten? Wie können institutionelle Initiativen mit denen der Zivilgesellschaft verbunden werden?

Vor dem Hintergrund einer international und interdisziplinär ausgerichteten Diskussion konnten bei dieser Informationsveranstaltung zahlreiche lokale Initiativen im Bereich der Prävention von Radikalisierung vorgestellt werden. So erweisen sich im Strafvollzug, im Sport, in der außerschulischen Bildung und in der Psychiatrie Schlüsselfaktoren wie die Zusammenarbeit mit den Eltern oder die Schaffung von Begegnungsstätten als entscheidend. Weiterhin wurde übereinstimmend festgestellt, dass es an Fortbildung für Fachleute, die im Kontakt mit radikalisierungsgefährdeten Jugendlichen stehen, fehlt. Die Rolle der Religion in der Betreuungsarbeit von bereits radikalisierten Jugendlichen  oder die sich auf dem Weg der Radikalisierung befinden wurde ebenfalls diskutiert: In Frankreich ist dieses Thema oft „tabu“, wohingegen es in Deutschland unumgänglich ist. 

Mit Blick auf diese erfolgreiche Veranstaltung und dem Wunsch der Teilnehmer, das Thema weiter zu vertiefen, planen die Organisatoren bereits das nächste Seminar!

 

Kontakt Euro-Institut: Anne Thevenet – 07851-7407-28

Kontakt ESTES: Bruno Michon -  ESTES +33 3 88 21 20 07 - +33 6 73 60 69 33